Er will keinen Sex und keine Zärtlichkeit – liegt es an seiner Depression? Er liebt mich!

Hallo Beatrice!
Ich habe vor knapp 4 Jahren meinen Traummann gefunden. Wir hatten es am Anfang nicht leicht (Scheidung von den vorherigen Partnern, finanzielle Überlastung, schwere Krankeit meines Vaters, Anwaltsbesuche wegen Eigentum usw). Alles haben wir super gemeinsam geschafft. In den ersten 1,5 Jahren war unser Sexualleben wunderbar. Nun ist aber seit 2 Jahren im Bett Funkstille. Es schlich sich ganz langsam ein. Im ersten Jahr der Sexlosigkeit war ich auch noch zufrieden, auch wenn es nicht zum Sex kam, denn es wurde noch gekuschelt und Zärtlichkeiten ausgetauscht.
Seit einem guten Jahr wurde nun auch das weniger, was mich nun unzufrieden macht. Da ich meinen Mann sehr liebe und sehr begehre, fällt es mir schwer ihn nicht anfassen zu können oder von ihm gestreichelt zu werden. Gespräche haben wir ausführlich gehalten. Er beteuert, dass er mich sehr liebt, mich atraktiv findet, aber sich selbst nicht erklären kann, warum in seinem Kopf so eine Leere ist. Mein Mann war beim Hausarzt und beim Urologen, was mir zeigt, dass es ihm nicht egal ist. Von deren Seite ist alles in Ordnung, also hat er eine Überweisung zum Psychiater bekommen. Auch dort ging er hin und bekam (seit 3 Monaten) Tabletten gegen Depressionen, die sollen helfen, dass sein Kopf wieder freier wird. Bisher erfolglos!
Bei uns kommt noch dazu, dass wir uns seit einem Jahr nur noch am Wochenende sehen, weil sein Job das erfordert.
Ich liebe meinen Mann wirklich sehr, aber die Barierre wird immer größer zwischen uns. Ich weiß auch nicht, wie ich mich noch verhalten soll. Zeige ich ihm, dass ich kuscheln möchte, werde ich abgewiesen, nicht böse oder aggressiv, aber es tut trotzdem weh.
Er hatte letztens Geburtstag. Als er nach Hause kam, hatte ich uns den Tisch toll gedeckt und es gab ein leckeres Essen mit Rotwein. Ich selber hatte mich auch ein wenig rausgeputzt. Er freute sich sehr über alles, wurde dann aber zunehmend ruhiger, bis ich ihn darauf ansprach. Er fing an zu weinen und meinte, es sei alles so schön und dass ich so viel für unsere Beziehung mache, aber er schafft es nicht mich glücklich zu machen, da es mit dem Sex nicht klappt. Da mußte ich ganz schön schlucken.
Ich habe Angst, wenn es so weiter geht, dass ich irgendwann die Trennung einleite. Das möchte ich meinem Mann aber nicht antun. Ich weiß keinen Rat mehr, wie wir aus diesen Teufelskreis rauskommen sollen.
Bitte gib mir einen Rat.
LG, Tine (40)

Liebe Tine,
was ist oder war denn das für ein Psychiater, der deinem Mann nur Antidepressiva verschrieb, statt einen Blick in seine Seele zu werfen oder ihm zusätzlich zu den Tabletten eine Psychotherapie zu verschreiben! Da die Mittel nicht helfen, liegt es nahe, dass seine Lustlosigkeit nicht in Depressionen begründet ist, sondern dass etwas in seiner Psyche ihn blockiert - meist geht es um Themen wie Nähe, Intimität, unbearbeitete Mutter-Vater-Themen und die damit verbundenen unterbewussten Ängste.
Er braucht definitv eine gründliche psychologische Beratung / Therapie! Er soll sich beim Arzt eine Überweisung dafür holen! Falls er sich scheut, alleine zum Therapeuten zu gehen, versucht es vielleicht erst mal bei einem Paarberater mit therapeutischer Ausbildung, oder macht Probetermine bei mehreren. Er kann allein hingehen oder zusammen mit dir. Oder er kann bei mir ein bisschen Telefon- oder Emailberatung machen, denn bei vielen Männern ist die Hemmschwelle kleiner, wenn sie dem Coach nicht persönlich gegenübersitzen müssen.
Herzlichst, Beatrice „"