Exfreundin zurück? Sie verlor ihre Gefühle, weil ich zu anhänglich bin

Meine jetzige Ex-Freundin hat vor knapp 3 Wochen Schluss gemacht und damit komme ich überhaupt nicht klar. Sie und ich waren fast vier Monate zusammen, als ich merkte, dass sie sich etwas komisch verhält. Ihr standen Abschlussprüfungen bevor und sie wollte Zeit zum Lernen.
Bis dahin war es so, dass wir uns fast täglich sahen und den ganzen Tag über miteinander schrieben, mit nicht allzu großen Pausen (3-4 Stunden höchstens). 
Dann merkte ich, dass sie etwas abweisend wurde, und fing an sie zu „testen“. Hab geschaut, wie sie mir antwortet und wie lange sie braucht, stellte sie dann zur Rede. 
Sie meinte, ihr wird alles zu viel, mit den Prüfungen und mit mir. Wir trafen uns und sie sagte das mir nochmal ins Gesicht. Sie wisse nicht warum, aber ihre Gefühle mir gegenüber wurden weniger, und sie fand, dass ich ihr in der Beziehung mehr gebe als sie mir. Es ginge ihr aber erst seit ein paar Tagen so und sie hätte versucht, das Gefühl zu unterdrücken.
Mich hat das natürlich geschockt, da ich das nicht kommen sah. Sie wollte dann Zeit zum Nachdenken und ich sagte ihr, ich gebe ihr so viel Zeit wie sie möchte, aber dass ich in Versuchung sein werde ihr zu schreiben und es eine harte Zeit wird für mich, weil sie mir nicht sagen wollte, ob sie Schluss machen will. 


Wir hatten uns nie gestritten oder hatten was am anderen auszusetzen. Sie meinte nur, dass sie nicht der Mittelpunkt in meinem Leben sein will und es okay wäre, wenn ich sagen würde, heute will ich mal zuhause bleiben oder mich mit anderen Leuten treffen.
Am Abend schrieb sie mir dann doch nochmal und meinte, sie könne sich nicht komplett einigeln und sich gar nicht bei mir melden. Das hat mich natürlich gefreut und ich hab ihr das auch so geschrieben und sie könne sich jederzeit bei mir melden. 
Und dass mir bewusst geworden ist, dass ich sie eingeengt habe, auch wenn sie das so nicht gesagt hat. Und dass wir in unserer Beziehung mehr Freiheit brauchen und uns nicht jeden Tag sehen müssen. Sie meinte, ich habe Recht. Ich wollte aber, dass sie sich trotzdem die Zeit nehmen soll. 


Am nächsten Morgen schrieb sie mir wieder, allerdings nur oberflächlich. „Wie geht’s? Was machst du so?“ Abrupt war dann Schluss. Am Abend konnte ich mich nicht beherrschen und hab gefragt, wie es ihr geht. Sie meinte, ganz okay. Ich hab mich dann doch entschuldigt, dass ich die Auszeit nicht eingehalten habe. Sie verstand es und meinte, dass es für uns beide nicht leicht ist. 
Dienstag kam nix mehr.. 
Am Mittwoch habe ich gefragt, wie ihre Prüfung gelaufen ist, und sie hat mir nett geantwortet, aber auch hier war dann abrupt Schluss. 
Donnerstag wieder Funkstille.


Bis dahin plagten mich schlaflose Nächte und ich konnte nix essen und an nix anderes mehr denken als daran, was sie wohl macht und denkt und wie es weitergeht. Das war pure Folter… Nicht zu wissen, wo man steht und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Schluss ist, hat mich jeden Nerv gekostet. 


Am Freitag hat sie sich dann gemeldet und gefragt, ob wir am Sonntag nochmal reden. Ich fragte, ob ich mir Sorgen machen müsste wegen dem, was sie mir sagen möchte, und sie meinte nur, dass sie das persönlich bereden möchte. Ich befürchtete das Schlimmste. 
Und genau so ist es dann auch gestern geschehen… 
Sie erzählte mir, dass sie die Woche auch sehr viel nachgedacht und gehofft hat, dass ihre Gefühle wiederkehren, aber dem war leider nicht so und es bei ihr für eine Beziehung einfach nicht mehr reicht. 
Ich versuchte ihr zu erklären, dass es ganz normal ist, wenn nach 3-4 Monaten die Gefühle abklingen und man sich Gedanken macht. Sie sagte, aber ihre Gefühle seien zu stark abgeklungen und dass es eben für eine Beziehung nicht mehr reicht.

Ich schlug vor, dass wir es nochmal probieren und es einfach etwas lockerer angehen und ich eingesehen habe, dass ich sie zu sehr zum Mittelpunkt in meinem Leben gemacht habe. 
Aber sie wollte sich selbst und mich nicht anlügen oder uns etwas vormachen und sieht deshalb keine 2. Chance. 
Ich hab natürlich weiterhin probiert, sie doch noch irgendwie zu überreden, aber es half nichts… 
Auf meine Frage, wie es denn sein kann, dass ihre Gefühle so sehr verpufft sind, wusste sie auch keine konkrete Antwort. Sie hat aber gesagt, dass sie mir die letzten Monate sicher nichts vorgemacht hat, es auch alles schön fand und immer ehrlich war. 
Ich konnte nichts mehr dagegen tun, ihre Entscheidung war schon längst gefallen.
Luke (23)

Lieber Luke,
es tut mir leid, dir sagen zu müssen: Ich halte die Chance, dass ihr beide wieder zusammenkommen werdet, für sehr gering. Deine Ex ist weder verliebt noch liebt sie dich... aber das braucht man als Basis für eine Beziehung - jedenfalls die meisten von uns und sie auch.
Es sieht auch nicht so aus, als ob sie ihre Verliebtheitsgefühle zu dir wiederfinden würde. Das Problem ist unter anderen, dass sie dich wahrscheinlich nicht mehr als ebenbürtigen Partner empfindet. Du hast schon während der Beziehung ein wenig um ihre Zuneigung und Zuwendung „gebettelt“ und am Ende erst recht - das ist gar nicht gut.
Um eine Frau kämpfen ist ja nicht verkehrt, aber sich dafür klein machen und betteln ist kontraproduktiv, vor allem wenn der Hauptgrund, warum sie sich getrennt hat, deine Anhänglichkeit war und dass du sie viel zu stark zum Mittelpunkt deines Lebens und deiner seelischen Balance gemacht hast; man nennt das „emotionale Abhängigkeit“, die Betroffenen werden dabei „gefühlt“ wieder zu Kindern, die von der Zuneigung und Zuwendung ihrer Mutter abhängig sind und in innere Panik geraten, wenn sie spüren, dass die Mutter sich abwendet.
Eine erwachsene Frau will aber nicht mit einem Mann zusammen sein, der sich immer mehr wie ein abhängiges Kind verhält - das killt nach und nach ihre Gefühle und sie verliert auch immer mehr Achtung ihm gegenüber.
Ferner denke ich, du bist auch zu anhänglich und willst viel zu viel Kontakt und Verbindung; deine Freundin fast jeden Tag sehen und dann auch noch zusätzlich so viel schreiben? Das hält doch fast kein Mensch auf Dauer aus, das ist viel zu viel! Als Erwachsene müssen wir uns doch um unser Leben, unseren Beruf, unseren Alltag kümmern - nur Teenager, die noch zuhause leben, haben so viel Zeit, den ganzen Tag Nachrichten zu schreiben.
Mit dieser Thematik (deinem zu starken Bindungswunsch und deiner Neigung zu Abhängigkeit) musst du dich intensiv befassen und daran arbeiten, denn sonst ist die Gefahr hoch, dass du bei der nächsten oder übernächsten Freundin wieder so einen schmerzhaften Abbruch erlebst.
Alles Liebe und Gute
Beatrice Poschenrieder