Warum komme ich nicht von ihm los, obwohl er ein Arsch ist?

Derzeit bin ich ziemlich verzweifelt. Ich lebe seit 11 Monaten getrennt von meinem Mann, wir haben einen dreijährigen Sohn.
Mein Mann stammt aus Südamerika; wir lernten uns dort an der Universität kennen, ich habe dort studiert, er auch. Wir verliebten uns, er kam nach dem Studium mit nach Deutschland, wo wir bald heirateten. Das war vor 7 Jahren. Alles war bestens, ich konnte auch mit seinen kulturellen Eigenheiten umgehen (und er mit meinen), er fand bald einen seiner Ausbildung entsprechenden Job, dann wurde ich schwanger und alles wurde anders. Ich war von ihm finanziell abhängig, er nutzte diese Abhängigkeit aus und baute entsprechende Machtstrukturen auf und aus. Er wurde despotisch und aggressiv, es kam auch zu Handgreiflichkeiten, so dass ich gar die Polizei rufen musste. Gleichzeitig gab es immer wieder Momente, in denen er war wie früher: fürsorglich, zärtlich, liebevoll… aber diese Momente wurden immer seltener.
Erst als ich merkte, dass unser Sohn unter dieser Beziehung litt, fand ich die Kraft, mich zu trennen. Seitdem fand ein betreuter Umgang statt mit begleitenden Elterngesprächen – alles auf meine Initiative hin. Er hatte nämlich angedroht, den Jungen in sein Heimatland zu verschaffen. Ihm wurde eine Therapie nahegelegt, er aber will nicht. Er setzt mich weiterhin unter Druck, wirft mir vor, die Familie zu zerstören, unseren Sohn seelisch zu schädigen…
Durch unseren Umzug ist der betreute Umgang unterbrochen, da anderes Bundesland. Ich habe für hier den betreuten Umgang beantragt, aber er verweigert die Unterschrift bzw. gibt vor, er hätte keinen Antrag bekommen (ich hab ihn nun schon zum zweiten Mal geschickt). Stattdessen will er immer herkommen.
Ich verstehe mich selbst immer weniger: denn ich liebe diesen Arsch immer noch. Ich vermisse seine Zärtlichkeiten, seine Umarmungen. Höre ich südamerikanische Musik oder sehe im Fernsehen Werbung über sein Land, muss ich weinen. Ich fühle mich sehr schlecht, ich frage mich immer, wie mir das passieren konnte. Ich kann es kaum glauben. Wie komme ich denn da bloß wieder raus?
Ich weiß nicht, was ich machen soll, manchmal denke ich, dass mit mir etwas nicht stimmt.
Ellen (35)

Liebe Ellen,
woher das kommt, dass du immer noch an diesem Mann hängst, obwohl es weder für dich noch für dein Kind gut ist, könnte ich dir erst sagen nach ausführlichen Gesprächen, weil ich dazu einen tiefen Blick in dein Innenleben, deine Kindheit und deine Beziehungsgeschichte werfen müsste.
Es könnte unter anderem sein, dass du da auf einem unbewussten inneren Programm läufst - z.B. dass ein Elternteil von dir ein ähnliches Beziehungsverhalten dir gegenüber hatte wie dein Exmann und dass es tief in dir immer noch eine starke Sehnsucht gibt, dessen Liebe zu bekommen. Aber das herauszufinden, hilft dir auch nur ein Stückchen weiter - die große Frage ist, wie man es schafft, aus so einem Muster rauszukommen, und dabei brauchst du kundige Unterstützung. Ich denke, du solltest definitiv an dieses Problem rangehen, und zwar mit Hilfe einer Fachfrau (ohne Hilfe wird es schwer sein, es in den Griff zu kriegen, oder sehr lange dauern). Ob das eine Therapeutin oder Psychologin in deiner Nähe ist oder ich, da will ich dich nicht beeinflussen. Ich kann dir nur versichern: Wenn du eine gute Therapeutin hast, es erstaunlich ist, was da alles aus deiner Tiefe zum Vorschein kommt.
Mach wenigstens mal ein paar Stunden irgendwo, schon deinem Kind zu Liebe.
Ob dein Exmann eine Beratung macht, kannst du nicht beeinflussen. Aber deine eigene Loslösung kannst du sehr wohl beeinflussen, und du könntest nebenbei auch Tipps und Rückenstärkung erhalten, wie du am besten mit ihm umgehst. Ich vermute, du setzst ihm zu wenig Grenzen und gehst zu wenig klar mit ihm um, weil es irgendwo in die noch Hoffnung gibt, dass mit ihm alles wieder gut wird. Das wird es aber nicht! Diese Hoffnung gehen zu lassen, musst du als erstes schaffen.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder