Ich hasse den neuen Freund meiner besten Freundin

Meine beste Freundin ist voll verliebt, aber ich kann ihren neuen Kerl nicht leiden. Seit sie ihn hat, bin ich nur noch Nebensache

Meine beste Freundin findet ihren neuen Freund super, aber ich kann ihn nicht leiden

Liebe Beatrice,
ich hoffe, Du kannst mir einen Rat geben, ich weiß nämlich mittlerweile nicht mehr weiter.
Ich habe ein eher lapidares Problem (aus der Sicht anderer), doch mich macht es ziemlich fertig und keiner versteht mich. Die Sache ist: Ich hasse den Freund meiner besten Freundin!
Früher, bevor sie noch nicht mit ihm zusammen war, haben wir viel miteinander unternommen und konnten über alles reden. Dann hat sie sich in Benjamin verknallt und ab da war alles vorbei. Sie hängt jetzt nur noch mit ihm rum, für mich hat sie nur noch selten mal Zeit, und wenn, habe ich das Gefühl, sie braucht mich nur als Pausenkasper. Gehen wir zu dritt irgendwo hin, bin ich fünftes Rad am Wagen.
Sie ist nicht mehr wiederzuerkennen! Ich habe ja gehört, dass Liebe blind macht, aber doch nicht so blind, dass man seine Freunde vergisst?! Einerseits versuche ich mich ja in sie hineinzuversetzen, eben weil sie meine beste Freundin ist (oder war) und ich nur ihr Bestes will. Aber das kann ich nicht, erstens weil meine übertriebene Eifersucht das nicht zulässt und zweitens weil ich noch nie selbst verliebt war, jedenfalls noch nicht richtig, und ich die Situation daher gar nicht beurteilen kann. Aber ich kann nur immer wieder sagen, wie weh es mir tut, und ich gebe ja zu, dass ich auch Mist gebaut habe und ihrem Freund auch ziemlich deutlich zu verstehen gegeben habe, was ich von ihm halte.
Klar, dass sie sich jetzt auch von mir distanziert. Wo wir früher jeden Tag telefoniert haben (manchmal mehrmals), ist es nun keine Seltenheit, dass mal eine ganze Woche kein Anruf kommt. Allerdings bin ich dann auch so stur, dass ich nicht von selbst auf sie zugehe, weil ich aus meiner Sicht doch gar nichts gemacht habe.
Der Witz ist ja, dass ich noch nicht mal gegen den Typen an sich was habe. Aber so ist er für mich der Keil, der uns auseinandergebracht hat. Ich würde wahrscheinlich auf jeden Kerl so reagieren, den sie hätte.
Natürlich kann ich ihr nicht verbieten einen Freund zu haben. Das will ich auch gar nicht. Aber ich verstehe mich ja selbst nicht! Mit ihr selbst kann ich da nicht drüber reden, weil ich genau weiß, dass sie zu ihm halten würde. Und wenn ich ihr nun sage, entweder wir beide treffen uns oder du dich mit ihm – aber bitte vermeide es, mich mit ihm zu konfrontieren – dann würde sie sich überhaupt nicht mehr bei mir sehen lassen. Mensch, ich fühle mich so nutzlos!
Ich weiß, dass ich ein sehr sensibler Mensch bin, und ich habe bis vor kurzem auch noch an echte Freundschaft geglaubt, also “Freundschaft bis zum bitteren Ende”, aber mittlerweile glaube ich an gar nichts mehr, nur noch daran, wie schlecht die Welt doch ist und wie ungerecht. Mittlerweile habe ich deswegen einen echten psychischen Knacks, hänge tagelang in meiner dunklen Bude rum, lasse mich vollaufen und bin am Simulieren. Es geht so weit, dass ich nachts nicht schlafen kann und keinen Bissen mehr runterkriege. Manchmal hänge ich tagelang kotzend vor dem Klo, eben weil ich zu viel trinke, um nicht ewig daran zu denken. Aber es wird immer schlimmer, ein Teufelskreis!
Mittlerweile habe ich ernsthaft Angst, ein Alkoholproblem zu bekommen, bin sozusagen rückfällig, weil ich das vor zwei Jahren schon mal hatte, und eine Essstörung auch. Damals habe ich mich aber selber gefangen, ich weiß nur nicht, ob ich das jetzt auch noch kann. Damals hat sie mich nämlich aus der Scheiße geholt, aber sie ist ja jetzt nicht mehr da…
Meine Eltern machen sich mittlerweile ernsthafte Sorgen, weil ich nicht mehr lachen kann und auch sonst ziemlich depri drauf bin.
Sie ist mir halt sehr wichtig, aber das versteht sie nicht. Und es ist auch so weit gekommen, dass ich selber keine Beziehung will, weil ich Angst habe, dann genauso zu werden wie sie, und meine Freunde vernachlässige. Jetzt kann ich nur noch darauf hoffen, was Du mir rätst, denn ich wäre auf keinen Fall bereit zu einer Therapie, weil ich darüber nur ungern rede und ich mir von einem Psychater auch gar nicht helfen lassen wollte.
So warte ich auf Deine Hilfe,
eine Verzweifelte

Liebe Verzweifelte,
mir ist eben was Verrücktes passiert: Ich habe deinen langen Brief gelesen, ohne aufs Ende zu kucken, und dachte die ganze Zeit, Mensch, der Verfasser dieses Briefes ist ja in das Mädel verliebt und will es nicht wahrhaben – bis ich unten sah, dass du auch ein Mädel bist! So wie du an deiner Freundin hängst, könnte man echt an Verliebtheit denken, oder nein, es ist wie eine Abhängigkeit innerhalb einer Beziehung.
Versteh mich nicht falsch, bitte. Freundschaft ist was Wunderbares, und sie ist sehr wichtig. Aber man darf nicht sein ganzes Seelenheil von einem anderen Menschen abhängig machen, weder von einer Freundin noch von einem Liebespartner noch von sonst jemand. Aber das tust du. Du bürdest deiner Freundin eine gigantische Verantwortung auf – nämlich die Verantwortung über deine Psyche, über deine Gesundheit, über alles, was dich betrifft. Damit bürdest du ihr viel zu viel auf.
Sie hat dir einmal sehr geholfen, und sie muss ein toller Mensch sein, aber du kannst nicht von ihr erwarten, dass sie ihr Leben nach dir ausrichtet. Sie ist frisch verliebt, und da ist einem der neue Liebespartner der wichtigste Mensch auf der Welt. Das ist leider so, aber es ist total normal. Das beruhigt sich nach einer Weile (ein paar Monaten) normalerweise wieder und man wendet sich wieder mehr seinen Freunden zu.
Aber: du hast es dir ein wenig verbaut. Du hast ihrem neuen Schatz gezeigt, dass du ihn nicht leiden kannst, und vielleicht hast du auch noch durch die Blume versucht, ihn ihr auszureden, oder hast ihr indirekt Vorwürfe gemacht. All das hat sie von dir entfernt.
Bitte fühle dich jetzt nicht angegriffen, wenn ich dir rate: Hör auf, dich in Selbstmitleid und dramatische Gefühle hineinzusteigern, hör auf, dich zu benebeln und dich zu zerstören!
NUR DU ALLEIN HAST ES IN DER HAND, OB DU GLÜCKLICH BIST ODER DICH GUT FÜLHST, SONST NIEMAND!!!
Mir kommt es ein bisschen vor, als ob du mit der momentanen Selbstzerstörungs-Arie ein wenig (oder unterbewusst) versuchst, sie zu erpressen: So nach dem Motto “sieh her, was mit mir passiert, jetzt wo du dich von mir abgewandt hast…!”
Ehrlich gesagt, ich finde das Scheiße. Wach auf, liebe Unbekannte, und nimm dein Leben selber in die Hand! Übernimm Verantwortung für dich selber, für deinen Körper, für deine Psyche! Such dir andere Freundinnen oder kümmere dich wieder um alte Freundschaften, damit du nicht mehr so von der einen abhängst! Geh raus aus deinem dunklen Zimmer und aus deiner dunklen Welt und sieh, dass da draußen so viel Gutes auf dich wartet! Du musst dich nur öffnen dafür, anstatt trübsinnig und wie ein kleines Kind im Kämmerchen zu hocken und drauf zu warten, dass dich jemand an der Hand nimmt.
Und hör um Gottes willen auf, deine Eltern in Angst und Schrecken zu versetzen.

Was die Therapie betrifft: Sicher weißt du selber, dass sowohl Alkoholmissbrauch als auch Essstörungen einer Therapie bedürfen. Du musst nicht zum “Psychiater”. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Menschen dir helfen könnten. Zum Beispiel bei der “Caritas”, beim “Sozialmedizinischen Dienst” oder in Familien- bzw. Frauenzentren gibt es sehr nette Fachleute, mit denen du dich eine Stunde ganz unverbindlich unterhalten kannst und die dir viele gute Sachen sagen können (such im Internet, ob bei dir eine Stelle in der Nähe ist, und ruf da einfach an). Und schau mal auch unter www.magersucht.de und www.bulimie.de – sicher bekommst du da eine Idee, was du in Bezug auf die Essstörungen tun kannst.
Fühl dich im Geiste von mir umarmt.
Beatrice Poschenrieder

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