Er integriert seine Kinder nicht in unsere Beziehung, verbringt immer mehr Zeit mit ihnen

Sie sind schon ein Jahr zusammen, doch sie kennt seine Kinder immer noch nicht. Im Gegenteil: Er scheint vor der neuen Freundin zu den Kindern zu fliehen

Hallo Beatrice,
vor einem Jahr habe ich (39) meinen Traummann gefunden – nach 14 Ehejahren fühlte ich endlich, was mir gefehlt hatte, und erlebte nun jeden Tag Dinge, von denen ich nur geahnt hatte, dass das die Liebe sein musste. Mein Allerliebster kommt aus einer Beziehung, wo noch zwei kleine Kinder sind. Auch er schwebte im siebten Himmel, und so zog er kurzum bei mir ein.
Inzwischen haben wir unseren Job aufgegeben und haben uns selbständig gemacht.
Eigentlich dachte ich schon nach kurzer Zeit, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis wir sogar heiraten. Doch mein Allerliebster hängt sehr an seinen Kindern und ist regelmäßig zwei bis drei Tage und Nächte (seine Frau arbeitet nachts im Pflegedienst) bei den Kindern, schläft auch in seiner ehemaligen Wohnung. Natürlich hatte ich nie etwas dagegen, spricht es doch sehr für seinen Verantwortungsbewusstsein. Ich dachte auch, dass dies bloß eine Übergangslösung sei und die Kinder auch Tage mit uns gemeinsam verbringen könnten.
Tja… irgendwie scheint da was nicht aufzugehen, was ich einfach nicht nachvollziehen kann. Je mehr Monate vergehen, umso weniger will er seine Kinder integrieren, er bildet einen riesengroßen Schutzmantel um die Kleinen und nutzt auch bei der Arbeit jede Minute, um sie auch nur schnell zu besuchen; mir gegenüber traut er sich das nicht zu erzählen. Natürlich leidet unsere Beziehung sehr darunter, da er die meiste freie Zeit bei den Kleinen ist. Gespräche bringen nichts, er weicht aus, meint, dass er ihnen eine neue Umgebung nicht auferlegen möchte und dass er noch nach einer Lösung suchen würde.
Ich glaube nicht, dass da noch was mit seiner Frau ist, verstehe aber einfach nicht, weshalb er mir seine Kinder vorenthält.
Ich will nicht einen Konkurrenzkampf gegen die Kinder ausüben, aber noch weniger, dass unsere Beziehung deswegen kaputt geht.
Ein Ratschlag würde mir sehr helfen,
Jacqueline (39)

Er liebt seine Kinder über alles, verbringt viel Zeit mit ihnen

Liebe Jacqueline,
ich hätte noch ein paar Fragen:
1) Ist er noch verheiratet? Wenn ja, läuft die Scheidung bereits? Wenn nein, warum nicht?
2) Wie alt sind die Kinder?
3) Hast du sie jemals kennen gelernt? Wenn ja, wie – und wie war´s?
4) Wie schnell ist er bei dir eingezogen?
5) Hat sich seit dem Einzug etwas in eurer Beziehung (bzw. in seinem Verhalten) geändert – z.B. in Punkto Sexualität?
6) Wie steht´s bei euch in letzter Zeit in Sachen Sex und Zärtlichkeit?
7) Hältst du es für möglich, dass es ihm in letzter Zeit in eurer Beziehung etwas zu eng geworden ist?
8) Ist er aus vorigen Beziehungen geschädigt?
Bis bald, Beatrice

Liebe Beatrice
ja, er ist noch verheiratet. Ich habe ihn als Mitarbeiter in der damaligen Firma eingestellt. Bei einer Neueröffnung habe ich seine Frau gesehen. Sie war sehr kurz angebunden, als ich ein paar Worte mit ihr wechseln wollte. Ich habe sie als sehr kalte Frau kennengelernt, aber das war das einzige Mal.
Nachdem mein Liebster und ich uns verliebt hatten, hat er es ihr nach ca. 3-4 wochen mitgeteilt und ist sofort bei mir eingezogen. Er sprach von Heiraten und einer schnellen Scheidung. Heute, nach 15 Monaten, ist er weder an meinem Wohnort angemeldet noch steht das Thema Scheidung an. Natürlich habe ich ihn darauf angesprochen. Seine Antwort: “Wir sind doch rund um die Uhr beschäftigt mit dem Aufbau unseres gemeinsamen Geschäfts, dem Hüten der Kinder etc. Wo soll ich für so was noch freie Minuten hernehmen.“
Wohnen tut er bei mir kostenlos in einem schönen Haus, er ist knapp bei Kasse und buttert das Geld in Spielsachen für seine Kinder (3 und 5 Jahre), welche er derzeit 3 – 4 mal die Woche hütet.

Seit dem Einzug hat sich in seinem Verhalten nicht groß etwas geändert, leider kannte ich ihn vorher ja kaum. Ich meine aber, dass er in letzter Zeit weniger aufmerksam ist, er bemerkt nicht mehr, dass ich ein neues Parfum habe, schickt mir nur noch selten SMS (hat er früher mindestens einmal am Tag gemacht). In punkto Sexualität hat sich nicht groß etwas verändert, vielleicht hat die Häufigkeit etwas abgenommen. Ich bemerke aber, dass wir entweder Rücken an Rücken miteinander schlafen oder dann, wenn ich den ersten Schritt mache, eng umschlungen. Ich meine, dass er immer abwartet, ob ich ihm etwas gebe, ansonsten stellt er auf stur.
Die Zärtlichkeiten haben auch abgenommen, wohl dadurch, dass wir die wenige Zeit, welche uns abends oder mal am Wochenende bleibt, mit Diskussionen verbringen.
Bei uns staut sich Geschäft und sein Doppelleben bei seinen Kindern auf, und wenn wir dann Zeit haben, brodelt alles heraus. Ich bin natürlich enttäuscht, dass sich in den 15 Monaten überhaupt nichts Richtung “Kinder in gemeinsame Beziehung integrieren“ getan hat.
Du hast schon Recht, auch er hat mir mitgeteilt, dass er sich manchmal von mir kontrolliert fühlt. Seine Beziehung mit seiner Frau dauerte 15 Jahre. In dieser Zeit hat er scheinbar gemacht, was ihm gerade in den Sinn kam – ohne Rücksicht auf die Partnerin, er ist ein Einzelkämpfer. Seine Frau hatte weder seine Finanzen noch sonstwas in den Händen, er war der Motor der beiden. Sie wusste nicht einmal, was er verdiente.
Ich bin dagegen etwas anders, habe mir als Geschiedene wieder etwas aufgebaut. Ich habe sehr hart gearbeitet, beinahe Tag und Nacht, und mir schlussendlich mein Haus gekauft. Ich musste die letzten 4 Jahre alles selber machen und organisieren. Da die Liebe für mich aber den höchsten Stellenwert hat – nicht etwa Geld – versuche ich Veränderungen zu erspüren und auch zu analysieren. Ich möchte nicht einfach in den Tag hineinleben und dann plötzlich erwachen und mich fragen: was ist denn bloß passiert.

Von seiner Beziehung weiß ich, dass die zwei in den 15 Jahren kaum mal was miteinander geredet haben. Jeder hat einfach für sich geschaut. Auch sexuell scheint sehr selten etwas gelaufen zu sein, die Frau konnte ihm Liebe weder zeigen noch geben.
Als kleines Kind mussten seine Eltern hart arbeiten, er wurde in einem Nonnenheim sowie bei verschiedenen Tagesmüttern großgezogen. Asthmakuren kamen dazu. Wenn du ihn auf der Straße siehst, meinst du, er sei der total harte Typ, innerlich braucht er aber sehr viel Liebe und Wärme und zeigt sich dann butterweich.
Ich hoffe, dir bringen meine Anhaltspunkte etwas…
Jacqueline

Liebe Jacqueline,
das klingt für mich leider alles nicht so gut. Für mich ergibt sich folgendes Bild:
Ein Mann lebt seit anderthalb Jahrzehnten in einer kalten, lieblosen Ehe. Da lernt er eine warmherzige, kluge, starke Frau kennen, die beiden verlieben sich sehr schnell. Und sehr schnell – zu schnell – zieht er bei ihr ein; es ist super, dass sie ein eigenes Haus hat, ermöglicht ihm das doch endlich den Absprung aus seiner Ehe, in der er schon viel zu lange vor sich hin kümmert.
Alles scheint zu passen, sogar beruflich. Die beiden bilden im Nu nicht nur eine Liebeseinheit, sondern auch eine geschäftliche.
Aber je enger die beiden zusammenrücken und sich näher kommen und noch mehr Verbindungen anstehen, desto mehr wird´s dem Mann innerlich bange. Denn so viel Nähe und Bindung ist er nicht gewohnt. Sein Leben lang hat er nicht sehr viel Liebe und Nähe bekommen, und da diese neue Nähe für ihn etwas Unbekanntes ist, stellt sie für ihn eine unterbewusste Bedrohung dar. Vermutlich kann er es selbst nicht mal richtig einordnen und in Worte fassen – es fühlt sich für ihn einfach nur eng und unangenehm an. Aber er hat ein Fluchtmittel: seine Kinder. Je enger seine neue Beziehung wird, desto öfter sucht er seine kleinen Fluchten: die Kinder sind eine legitime Ausflucht, zumal er sie ja liebt.
Würde er die Kinder in die neue Beziehung integrieren, hätte er diese Fluchtmöglichkeit nicht mehr, und es würde gleichzeitig bedeuten, dass die neue Beziehung gefestigt wird (also “gefühlt” noch enger!). Er müsste ja dann auch den Kindern diese Frau als die neue Partnerin an seiner Seite präsentieren, aber irgendwie ist er selber unsicher, ob er sie zu 100 % haben will (wegen des Enge-Gefühls). Deshalb leitet er weder die Scheidung ein noch spricht er konkret vom Heiraten. Das hat er nur am Anfang getan, als alles noch frisch und unbedrohlich war.
Möglicherweise kam in ihm sogar schon klammheimlich der Gedanke auf, ob er nicht doch bei seiner Ehefrau bleiben soll. Denn diese Frau gibt ihm zwar wenig Liebe, aber das ist er ja gewohnt; sie hat den großen Vorteil, dass er tun und lassen kann, was er will, und er fühlt er sich weder eingeengt noch bedroht. Die neue Frau gibt ihm zwar viel Liebe, aber da sie eine richtige Beziehung will, stellt sie Ansprüche. Das sind legitime Ansprüche: sie spürt sein Entweichen, und verständlicherweise fordert sie mehr Zeit, mehr Nähe, mehr Verbindendes ein. Und er fühlt sich zunehmend unter Druck und nimmt seine kleinen Fluchten immer öfter in Anspruch.
Auch er weiß, dass sie im Recht ist, und er liebt sie ja, aber er weiß nicht, ob er das kann: sich zum ersten Mal in seinem Leben wirklich einlassen, was er erstens nie gelernt hat, zweitens bedeutet das ja auch, einen Teil seiner Freiheiten abzugeben. Im Prinzip ist es ihm jetzt schon eng genug, mit der gemeinsamen Wohnung und dem gemeinsamen Geschäft. Selbst beim Sex und der Zärtlichkeit meidet er teils die Nähe, denn wenn er häufig Sex initiiert und sehr zärtlich ist, könnte sie ja auf die Idee kommen, die Bindung enger machen zu wollen.

Was rate ich dir also?
Zuallererst: Hör sofort und zu 100 % auf mit den Klagen und Diskussionen, denn die treiben ihn immer mehr in seine Fluchten. Lenke dich ab mit etwas, was dich gut drauf bringt, sieh zu, dass du wieder entspannt bist. Nimm dir vor, für die nächsten sechs Wochen seine Fluchten zu akzeptieren.
Einen Mann, der auf der Flucht ist, darf eine Frau niemals aufhalten! Das ist immer ein Eigentor!!!
Wenn ein Mann Abstand will, dann gib ihm Abstand, und zwar mehr, als er erwartet hat! Denn ALLEIN DIE ANGST, DIE FRAU ZU VERLIEREN, BRINGT EINEN MANN AUS DER FLUCHT- ODER ABSTANDSBEWEGUNG WIEDER IN IHRE RICHTUNG!
Nochmal: Gib ihm mehr Abstand, als er je wollte. Und tu es freundlich.
Das ist mein voller Ernst. Nur so – NUR SO!! – kannst du eine Kehrtwendung bewirken. Sag ihm lieb und nett, dass er ja so gern und so viel Zeit mit den Kindern verbringt, dass er doch bitte wieder bei seiner Frau einziehen soll. Weil du jetzt mal Zeit und Raum für dich brauchst, um zu dir selbst zu kommen und zu wissen, was du willst.
Bezieh dich nicht auf ihn (dass er wissen soll, was er will), sondern nur auf dich.
Zieh das mindestens 4 Wochen durch.
Hab keine Angst, dass er dann wieder mit seiner Frau zusammenkommt. Er wird tierisch Angst kriegen, dich zu verlieren, dich schrecklich vermissen und sich fragen, was er für ein Idiot war.
Wenn du noch zweifelst, ob diese Strategie die richtige ist, dann lies das Buch “Das Geheimnis, wie sich ein Mann wieder in Sie verliebt: Wie Sie ihn wieder an sich binden, wenn er sich von Ihnen emotional entfernt hat“, da wird es sehr genau erklärt.

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Ich drücke dir die Daumen
Beatrice Poschenrieder

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